Knoblauch-Präparate reduzieren die Blutspiegel von HIV-Medikamenten


ForscherInnen am amerikanischen National Institut of Health (NIH) berichten in der online Ausgabe der Zeitschrift Journal of Infectious Diseases vom 15. Januar 2002, dass die Einnahme von Knoblauchpräparaten die Blutspiegel von Saquinavir (Fortovase®) um die Hälfte vermindern. Wie genau es dazu kommt ist nicht klar.  Wahrscheinlich ist jedoch eine Wechselwirkung am Cytochrom P450 Isoenzyme 3A4, über das Knoblauch und Saquinavir, aber auch alle anderen zugelassenen Proteaseinhibitoren und Nicht-nukleosidanalogen RT-Hemmer verstoffwechselt werden. Eine wahrscheinlich nachteilige Beeinflussung der Wirkstoffspiegel dieser Medikamente durch eine Langzeiteinnahme von Knoblauch-präparaten ist deshalb voraussehbar. Das Ausmass dürfte für jedes Medikament unter-schiedlich ausfallen und lässt sich nicht abschätzen.

Zu niedrige Medikamentenspiegel sind der häufigste Grund für ein virologisches Therapie-versagen! Wer eine antiretrovirale Therapie durchführt und Knoblauchpräparate einnimmt, sollte dies umgehend mit seiner behandlenden Ärztin/seinem behandlenden Arzt besprechen. Die Messung von Medikamentenkonzentrationen im Blut (Blutspiegeln) kann weiterhelfen. Wird Fortovase® in einer Kombinationstherapie als einziger Proteaseinhibitor eingesetzt, dann ist es wahrscheinlich ratsam, die Einnahme von Knoblauchpräparaten sofort abzusetzen.

Nach Hypericum (St. John's Wort) wurde damit bei einem weiteren pflanzlichen Heilmittel eine klinisch relevante, und im Falle der antiretroviralen Therapie potentiell lebensbedrohliche Wechselwirkung nachgewiesen. Naturprodukte sind nicht einfach gesund! Es ist Zeit, diese Heilmittel wissenschaftlich zu untersuchen und systematisch auf ihre Wechselwirkungen hin zu überprüfen.  



08.12.2001, Markus Flepp